Verwaltung und Politik fördern Deutschlands Gründer zu wenig

Verwaltung und Politik fördern Deutschlands Gründer zu wenig

Die USA gelten als Gründungsland schlechthin. Umso überraschender ist eine Studie des Umfrageinstituts „YouGov“, bei der je 1.000 Erwachsene in Deutschland und den USA befragt wurden. So trauen sich 44 Prozent der Erwachsenen in Deutschland zu, ein eigenes Unternehmen zu gründen. Inden USA sind es mit 42 Prozent etwas weniger. In der Altersgruppe der 25- bis 34-Jährigen aber, aus der statistisch die meisten Unternehmensgründer kommen, ist der Unterschied mit 47 Prozent zu 41Prozent in den USA schon deutlich. „Die Befragung zeigt deutlich, welches Potential wir an Gründern in Deutschland haben. Dies ist sehr erfreulich“, sagt Markus Droth, Hauptgeschäftsführer des BDS Bayern.

Gründungsfinanzierung, Bürokratie und Angst vor dem Scheitern hemmen

Warum die Deutschen dennoch vor Gründungen zurückschrecken, zeigen allerdings weitere Zahlen: So halten hierzulande unter den 25- bis 44-Jährigen exakt zwei von drei Befragten „eineUnternehmensgründung für schwierig“. In den USA sind dies erheblich weniger (57 Prozent). Die drei wichtigsten Gründe sind: Fehlendes Kapital (72 Prozent in Deutschland gegenüber 58 Prozent in den USA), die Angst vor zu viel bürokratischem Aufwand (70 Prozent in Deutschland zu 45 Prozent in den USA) sowie die Angst zu scheitern (54 Prozent in Deutschland zu 40 Prozent in den USA).

„Die Gründe, warum Deutschland im Vergleich zu den USA weniger Gründer hat, lesen sich wie ein Hausaufgabenbuch für die Politik“, betont Markus Droth. „Wir brauchen in Deutschland einen einfachen Zugang zu Finanzen, auch alternativ zum Bankkredit, insbesondere für kleinere Summen.“ Beim bürokratischen Aufwand, „müssten noch einige Hürden weg, beziehungsweise den Gründungswilligen die Angst vor der Bürokratie genommen werden“, so Droth.

Insolvenzen von Gründern vom Versagerstigma befreien

Die Angst vor dem Scheitern, hängt laut Droth sehr stark mit der Angst vor dem finanziellen Ruin zusammen. „Wir brauchen in Deutschland ein noch gründerfreundlicheres Insolvenzrecht. Die Politik hört immer noch zu stark auf die Interessen von Insolvenzverwaltern und Banken, die im Insolvenzfall immer ihre Schäfchen ins Trockene bringen wollen, und ignoriert aktuelle Studien, etwa von der EU, die den positiven Zusammenhang zwischen einem schuldnerfreundlichen Insolvenzrecht und Firmengründungen deutlich belegen“, so Droth abschließend.

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