Es werden Akademiker rückausgebildet werden müssen!

Es werden Akademiker rückausgebildet werden müssen!

Wirtschaftsminister Pschierer bricht Lanze für berufliche Bildung

München/Memmingen – Zwei Sofas, darauf zwei hochkarätige Persönlichkeiten, zahlreiche interessierte Gäste und das inmitten einer angesagten Location. So könnte man kurz den erfolgreichen Unternehmerabend des Bund der Selbständigen – Gewerbeverband Bayern e. V. im Memminger Kaminwerk beschreiben. Der Memminger Ortsverband des BDS Bayern konnte für diesen Abend den Spitzenpolitiker und bayerischen Staatsminister für Wirtschaft, Energie und Technologie, Franz Josef Pschierer, MdL gewinnen. Der Wirtschaftsminister versicherte den Teilnehmern gleich zu Beginn: „Ich bin heute gern zum BDS gekommen“. Auf dem anderen Sofa nahm – als Unternehmervertreter – der stellvertretende Präsident der IHK Schwaben, Gerhard Pfeifer, Platz.

Die erste BDS-Vizepräsidentin und schwäbische Bezirksvorsitzende, Ulla Widmann-Borst, betonte in ihrem Grußwort die enorme Bedeutung des Mittelstands für die bayerische Wirtschaft: „Die oft zitierte gute wirtschaftliche Lage Bayerns hat ihre Wurzeln in dem Fleiß und Ehrgeiz unserer vielen Familienunternehmen. Wahrlich keiner möchte sich Stadt- oder Ortszentren ohne florierende Handelsgeschäfte, tüchtiges Handwerk oder einladende Gastronomie vorstellen!“ Der BDS Bayern wird Seite an Seite mit der Politik dafür kämpfen, damit dies auch weiterhin so bleibe, versprach Widmann-Borst.

Neben zahlreichen Themen und Fragen rund um die bayerische Mittelstandspolitik wurde ein Thema besonders emotional diskutiert: Wie steht es um unsere berufliche Bildung? Die Bautechnikerin und Ortsvorsitzende des BDS Region Kempten-Oberallgäu, Andrea Kneißl, kritisierte die Abschaffung der Meisterpflicht, denn dies hat ihrer Meinung nach zu einem erheblichen Qualitätsverlust geführt. Minister Pschierer gab ihr Recht und betonte, dass wir eine „Remeisterisierung“ benötigen, denn aus seiner Sicht führte die Abschaffung des Meisters auch zum Verlust von Ausbildungsplätzen: „Wo kein Meister mehr gebraucht wird, wird auch nicht mehr ausgebildet.“ Pschierer plädierte auch für einen Ausbau der beruflichen Bildung und hob hervor, dass die Baustelle von heute ganz anders aussieht als früher und dass ein falsches Bild des Handwerks in den Köpfen vorhanden ist. Er fasste es kurz; „Handwerk ist heute Hightech!“

Eine berufliche Ausbildung ist auch heute noch ein Garant für eine gute persönliche wirtschaftlich abgesicherte Zukunft. Es besteht der Wunsch nach mehr glücklichen Gesellen und weniger frustrierten Akademikern. Die Arbeitslosigkeit in Europa sei heute in den Ländern am höchsten, in denen auch die größte Quote von Akademikern vorhanden ist. Der Staatsminister ging sogar noch einen Schritt weiter und prognostizierte, aufgrund der herrschenden „Über-Akademisierung“, für die Zukunft eine nötige „Rückausbildung für Akademiker“. Er unterstrich zugleich, dass eine Meister- oder Technikerausbildung im Hinblick auf die damit verbundenen Anforderungen mit einer akademischen Ausbildung gleichzusetzen sei.

Auch der Fachkräftemangel und die Eingliederung von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt wurden diskutiert. „Wir brauchen ein Fachkräfteeinwanderungsgesetz“, stellte Pschierer fest. IHK Vize Präsident Pfeifer sprach die 3+2 Regelung für Flüchtlinge an und stellte fest, dass diese in der Praxis oft nicht greife und mit hohen Hürden verbunden sei. Dies führe dazu, dass ausgebildete Flüchtlinge trotz dieser Regelung abgeschoben werden. Pschierer plädierte bei dieser Problematik für ein Höchstmaß an Flexibilität. Wenn jemand eine Ausbildung gemacht hat und in unserem Land nicht straffällig geworden ist sowie die wichtigste Integrationsgrundlage – nämlich das Erlernen der deutschen Sprache – ernsthaft angeht, dann muss es der betreffenden Person auch ermöglicht werden, weiterhin in Deutschland tätig bleiben zu dürfen.

Zum Fachkräfteeinwanderungsgesetz nahm auch der Landesschatzmeister des BDS Bayern und Steuerberater, Georg Büchele, Stellung: „Der BDS Bayern nimmt sich mit seiner BDS AZUBIAKADEMIE diesem Thema intensiv an. Wir planen gerade in Zusammenarbeit mit einer Hochschule die Weiterentwicklung zur Chefakademie“, hierfür wünsche er sich auch die Unterstützung vom Wirtschaftsministerium.

Nach der Diskussion betonte Franz Josef Pschierer „Ich habe keinen Folgetermin“ und er lud daher die anwesenden Gäste noch zur „Sprechstunde“ in lockerer Atmosphäre im Barbereich ein.

Neben über hundert geladenen Gästen konnte der Ortsverband um den Memminger Ortsvorsitzenden Helmut Brosig auch zahlreiche Ehrengäste begrüßen. Nicht nur die Lokalpolitik war mit Staatsminister a.D. Josef Miller, Landtagsabgeordneten Klaus Holetschek, Landrat Hans-Joachim Weirather und dem Oberbürgermeister von Memmingen Manfred Schilder bestens vertreten, nein, auch die Kammern sandten ihre Vertreter, so konnte man auch den Handwerkskammerpräsidenten Hans-Peter Rauch und den stellvertretenden Hauptgeschäftsführer der IHK Schwaben, Markus Anselment, zu den Gästen zählen. Äußerst kompetent und angenehm moderiert wurde der Abend vom BDS Mitglied Andrea Ritter.

Die Organisatorin und stellevertretende BDS Ortsvorsitzende Larissa Brosig zeigte sich am Ende der Veranstaltung sehr zufrieden: „Es freut mich enorm, dass wir den Wirtschaftsminister heute bei uns in Memmingen begrüßen durften. Wir haben mit aller Kraft um diesen Termin gekämpft. Unser Ortsverband beweist dadurch auch, dass es sich lohnt, Mitglied bei uns zu sein! Bei uns hat man nämlich die Gelegenheit in den direkten Dialog mit der Politik zu treten!“