Der BDS Bayern war – zusammen mit der SME Connect – beim diesjährigen START SUMMIT (https://www.startglobal.org/start-summit) vertreten. In nachstehenden Rückblick gibt BDS Bayern-Mitglied Mario Barthenhauser spannende Eindrücke der gelungenen Veranstaltung.
START Summit 2026: Zwischen Innovationskraft und Regulierungsdruck
Der diesjährige START Summit in St. Gallen hat einmal mehr gezeigt, wie viel Innovationskraft, Gründergeist und technologische Kompetenz in Europa – und insbesondere im DACH-Raum – vorhanden ist. Gemeinsam mit SME Connect war auch der Bund der Selbstständigen Bayern vor Ort vertreten und konnte zahlreiche Eindrücke aus der europäischen Startup-, KI- und Innovationsszene mitnehmen.
Bereits beim Betreten der Veranstaltung wurde deutlich: Hier treffen nicht nur junge Gründer aufeinander, sondern Menschen mit dem gemeinsamen Wunsch, Dinge voranzubringen, Probleme zu lösen und neue Technologien sinnvoll einzusetzen. Der gesamte Spirit der Veranstaltung war geprägt von Dynamik, Internationalität und einem klaren „Moving Forward“-Gedanken.
Besonders spannend war die starke Präsenz von Startups aus den Bereichen KI, Software und Robotik. Neben klassischen Gründern waren auch zahlreiche Inkubatoren und Innovationsnetzwerke vertreten – unter anderem aus Bayern und Baden-Württemberg. So war beispielsweise auch Munich Startup mit einem eigenen Stand vor Ort vertreten. Gerade die Verbindung zwischen Bayern, Baden-Württemberg, der Schweiz und Teilen Österreichs zeigt, welches Innovationspotenzial in dieser grenzübergreifenden Region steckt. Hier entsteht ein hochspannender Wirtschafts- und Innovationsraum, dessen Sichtbarkeit und Zugänglichkeit in Zukunft weiter gestärkt werden sollte.
Auffällig war zudem die Altersstruktur der Teilnehmer. Zwar waren viele junge Gründer und Studenten vor Ort, gleichzeitig aber auch erfahrene Unternehmer, Entwickler und Fachkräfte mittleren Alters. Innovation ist längst kein Thema mehr ausschließlich für die „Generation Startup“, sondern entwickelt sich zunehmend zu einer gesamtwirtschaftlichen Bewegung.
Inhaltlich zog sich ein Thema durch nahezu alle Gespräche und Panels: Europa verfügt über hervorragende Ideen, starke Universitäten und hochqualifizierte Köpfe – verliert aber viele dieser Talente auf dem Weg zur Skalierung. Immer wieder wurde deutlich, dass weniger fehlendes Kapital das Problem darstellt, sondern vielmehr komplexe Strukturen, langsame Prozesse und regulatorische Unsicherheit. Viele Gründer sehen Europa weiterhin als starken Standort für Ideen und Entwicklung, stoßen jedoch beim nächsten Wachstumsschritt häufig an Grenzen.
Eine Headline eines Panels blieb dabei besonders im Gedächtnis:
„Speed. Regulation. Scale. Pick Two“
Dieser Dreiklang beschreibt die aktuelle Situation vieler Startups sehr treffend. Während sich Technologie und Märkte in rasanter Geschwindigkeit entwickeln, wächst gleichzeitig die regulatorische Komplexität – sowohl auf europäischer als auch auf nationaler Ebene. Gerade kleine Unternehmen, Startups oder One-Person-Companies stehen zunehmend vor der Herausforderung, immer mehr Dokumentations-, Compliance- und Regulierungsanforderungen erfüllen zu müssen. Für viele wird dies inzwischen zu einer ernsthaften Belastung im operativen Alltag.
Dabei wurde auf dem Summit keineswegs pauschal gegen Regulierung argumentiert. Vielmehr entstand in vielen Gesprächen der Eindruck, dass sich Unternehmer vor allem verlässliche, nachvollziehbare und innovationsfreundliche Rahmenbedingungen wünschen. Besonders spannend war in diesem Zusammenhang die Diskussion rund um die kurz zuvor vorgestellte „EU Inc.“. Mehrere Teilnehmer hatten sich bereits intensiv mit dem Konzept beschäftigt. Der Grundtenor war dabei durchaus positiv: Die Idee einer vereinfachten europäischen Unternehmensstruktur wird grundsätzlich begrüßt. Gleichzeitig war aber auch eine gewisse Skepsis spürbar, ob gute Ansätze am Ende tatsächlich praxisnah und effizient umgesetzt werden.
Ein weiterer spannender Schwerpunkt war die nächste Generation von KI und Robotik. Besonders eindrucksvoll waren dabei Lösungen, die Technologie nicht als Ersatz für Menschen verstehen, sondern als Werkzeug zur Unterstützung. Präsentiert wurden unter anderem Systeme zur Reinigung von Schiffsrümpfen oder robotergestützte Hochleistungswasserstrahl-Technologien für den Betonabtrag im Bauwesen. In beiden Fällen ging es nicht darum, Menschen zu ersetzen, sondern körperlich schwere, gefährliche oder gesundheitlich belastende Tätigkeiten sicherer und effizienter zu machen.
Gleichzeitig wurde aber auch kritisch diskutiert, dass der Markt aktuell mit unzähligen KI-Apps und Softwarelösungen überschwemmt wird. Viele dieser Anwendungen lösen nur sehr kleine Einzelprobleme oder entstehen primär aus technologischem Hype heraus. Der Wunsch vieler Teilnehmer war daher klar spürbar: weniger kurzfristige „Zauber-Apps“ – dafür mehr Technologien mit echtem gesellschaftlichem, wirtschaftlichem oder industriellem Mehrwert.
Auch der von mir gemeinsam mit SME Connect und dem Bund der Selbstständigen Bayern organisierte und moderierte Roundtable zu den Themen EU AI Act und EU Inc. zeigte deutlich, wie groß der Gesprächsbedarf zwischen Wirtschaft, Startups und Politik inzwischen geworden ist. Besonders spannend war dabei die stark gemischte Teilnehmerstruktur: junge Gründer, KI-Startups, Studenten renommierter Universitäten, Vertreter aus Corporates, Investoren sowie Innovations- und Gründungsnetzwerke diskutierten gemeinsam über Chancen und Hürden der aktuellen Gesetzgebung.
Gerade für den Mittelstand ergeben sich daraus wichtige Erkenntnisse. Denn die Herausforderungen, die junge Startups heute erleben, treffen in vielen Bereichen längst auch kleine und mittlere Unternehmen: steigende Bürokratie, zunehmende Unsicherheit und immer komplexere regulatorische Anforderungen. Gleichzeitig bleibt der Mittelstand das Fundament unserer Wirtschaft – als Innovationstreiber, Arbeitgeber und Motor regionaler Wertschöpfung.
Der START Summit hat deshalb vor allem eines gezeigt: Europa, Deutschland und insbesondere Bayern verfügen über enormes Innovationspotenzial. Entscheidend wird jedoch sein, ob es gelingt, Rahmenbedingungen zu schaffen, die Unternehmertum ermöglichen, Wachstum fördern und Innovation nicht unnötig ausbremsen.
Denn wenn wir unsere klugen Köpfe, unsere Gründer und unsere mittelständischen Unternehmen langfristig halten wollen, braucht es nicht nur gute Ideen – sondern auch ein Umfeld, in dem diese Ideen wachsen können.
STATEMENTS:
- Europa hat kein Ideenproblem. Europa hat ein Skalierungsproblem.
- Wir verlieren unsere klügsten Köpfe nicht wegen fehlender Ideen – sondern wegen fehlender Geschwindigkeit.
- Der Mittelstand braucht keine Innovationsbremsen. Er braucht Luft zum Arbeiten.
- „Speed. Regulation. Scale. Pick Two.“ Selten hat ein Satz Europas Startup-Problem besser beschrieben.
- Nicht jede neue KI-App verändert die Welt. Aber die richtigen Technologien können sie besser machen.
- KI sollte Menschen nicht ersetzen. KI sollte Menschen stärker machen.
- Europa bringt brillante Gründer hervor. Die Frage ist nur: Warum wachsen die größten Unternehmen oft woanders?
- Wer mehr Zeit mit Dokumentation als mit Innovation verbringt, verliert irgendwann den Anschluss.
- Bayern, Baden-Württemberg, Schweiz, Österreich: Diese Region hat das Potenzial zu einem der stärksten Innovationsräume Europas.
- Wenn wir Unternehmertum überregulieren, verlieren wir nicht nur Startups – sondern langfristig unseren wirtschaftlichen Motor.