Hohenbrunn News

Tobias Thalhammer im Gespräch

Corona betrifft alle

Kein Thema beschäftigt das Land momentan so sehr, wie „Corona“. Auch der Vorstand des Gewerbeverbands Hohenbrunn & Riemerling hat sich in den letzten Monaten auf vielfältigste Weise mit diesem Thema auseinandergesetzt. Bereits im Mai haben wir unseren Stammtisch online durchgeführt und uns durch einen Arzt aus erster Hand informieren lassen. Im Juni gab es einen weiteren Online-Stammtisch, an dem der Bezirksgeschäftsführer unseres Dachverbands BDS – Christian Klotz – die Sorgen und Ängste der Unternehmer live erlebt, aber auch die zahlreichen Fragen der Gewerbetreibenden beantwortet hat. Auch bei der Jahreshauptversammlung im Juli war „Corona“ das alles beherrschende Thema, vor allem die zahlreichen Auflagen für die unterschiedlichen Unternehmen verbunden mit großen Unsicherheiten aufgrund der permanenten Veränderungen bei den Auflagen. Was gilt heute, was darf man, was muss man? Leider berichteten auch einige Unternehmer von Denunziationen, unter denen sie zu leiden haben.

Eindrücke vor Ort

Im September haben wir eine telefonische Umfrage unter unseren Mitgliedern durchgeführt, bei der ca. 50 Gespräche geführt wurden. Auch hier war – neben der positiven Nachricht, dass zu diesem Zeitpunkt die Unternehmen kaum wirtschaftlich unter den Maßnahmen litten – der deutliche Tenor, dass der (bürokratische) Aufwand für die Umsetzung der Maßnahmen und das „ewige Hin und Her“ die größten Probleme für die Unternehmen sind.

Im November, anlässlich der Vorstandssitzung, hatten wir dann Tobias Thalhammer (CSU), von 2008 bis 2013 Mitglied des bayerischen Landtags, bei unserer Online-Vorstandssitzung des Gewerbeverbands zu Gast, um mit ihm über seine Erfahrungen, Erwartungen aber auch Empfehlungen zu sprechen.

Als Konzertveranstalter und Künstler ist Tobias Thalhammer selbst sehr stark von den Corona-Maßnahmen betroffen. Neben den ökonomischen Folgen wies er auch auf die sozialen und psychischen Folgen hin, denn gerade bei Soloselbständigen verschwimmen häufig die Grenzen zwischen Leben und Beruf: „Soloselbständige oder Künstler verkörpern ihren Beruf, ihr Geschäft ist ihre Person. Ein faktisches Berufsverbot trifft daher nicht nur den Geldbeutel, sondern ist vor allem ein tiefer und schmerzhafter Stich ins Herz“. Anders ausgedrückt, der Beruf ist das Leben und mit dem Verlust der beruflichen Tätigkeit geht auch ein Groß-Teil des Lebens kaputt. Die Struktur des Tages ist nicht mehr vorhanden, soziale Kontakte verschwinden, der Sinn des Lebens geht verloren.

Sehr ärgerlich ist in diesem Zusammenhang die große Willkür der Maßnahmen. Warum private Theater, Kabaretts und andere Kultureinrichtungen geschlossen sind, im Fernsehen aber Zuschauer bei Sendungen erlaubt sind? Warum dürfen im Staatstheater 500 Zuschauer in einem geschlossenen Raum sitzen, bei einer privaten Veranstaltung im Olympiastadion aber nur 100 Zuschauer im Freien sein? Der Eindruck, der bei den Künstlern entsteht: es findet eine Verstaatlichung der Kultur statt.

Die Senkung der Mehrwertsteuer hat für die Kreativ-Branche einen kurzfristig positiven Effekt gehabt, wurde aber durch öffentliche Statements von Politikern und Virologen ohne Not noch im Keim erstickt. Viel besser wäre es nach Ansicht Thalhammers – aber auch nach Meinung des Vorstands des Gewerbeverbands – gewesen, den Solidaritätszuschlag vollständig abzuschaffen. Hier hätten die Menschen tatsächlich mehr Geld in der Tasche gehabt und hätten selbst entscheiden können, was sie mit diesem Geld tun. Von der Mehrwertsteuer-Senkung profitiert nur derjenige, der auch (viel) konsumiert. Es muss also Geld ausgegeben werden (das viele im Moment nicht haben oder bewusst sparen wollen), um ein Nutznießer der Mehrwertsteuersenkung zu sein.

Gelockerte Insolvenzregelung wirklich sinnvoll?

Besonders kritisch sieht Tobias Thalhammer die gelockerte Insolvenzregelung. „Insolvenzverschleppung war früher eine Straftat, heute ist sie ein Instrument wirtschaftspolitischer Kosmetik“. Es verschleiert lediglich die Pleitewelle, hilft aber keinem Unternehmen. Denn ist ein Betrieb überschuldet, ist er dies genauso heute wie auch morgen. Dieser Insolvenzaufschub birgt sogar die Gefahr, dass in Wahrheit bereits insolvente Marktteilnehmer, derzeit noch gesunde Betriebe beschädigen.

Thalhammer wisse von hochriskanten Geschäften, die in „normalen“ Zeiten niemals gemacht worden wären und in der Folge möglichweise auch andere Unternehmen damit in Gefahr bringen. Frei nach dem Motto: „Jetzt ist es eh schon egal“.

Nach Ansicht des Vorstands des Gewerbeverbands werden während der gesamten Pandemie-Zeit die Sorgen der – vor allem kleinen und mittelständischen – Unternehmen von der Politik nicht wahrgenommen bzw. nicht differenziert darauf eingegangen.

Daher stellten wir abschließend an Tobias Thalhammer die Frage, wie sich das Gewerbe mehr Gehör verschaffen kann?!? Grundsätzlich empfiehlt er, die Forderungen bzw. Vorschläge viel deutlicher nach außen zu tragen. Denn leider wird nur „der Laute“ gehört. Wir danken Tobias Thalhammer ganz herzlich, dass er für diesen interessanten Austausch zur Verfügung stand und wir mit diesem Artikel auch nach außen treten können.

 

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